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Dienstag, den.15 Dezember | um 19 Uhr – Sofioter Philharmonie – „Diе Magie von Beethoven – I“

Sofioter Philharmonie

 Saison 2019/2020

 

„Diе Magie von Beethoven – I“

Dirigent

Sascha Goetzel

 

Solist

Georgi Cherkin

(Klavier)

Ludwig van Beethoven (1770 -1827)

Klavierkonzert Nr.1 C – Dur, Opus 15 von Ludvig van Beethoven

  • Allegro con brio
  • Largo
  • Rondo. Allegro scherzando

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Sinfonie Nr. 5 c– Moll, Opus 67

  • Allegro con brio
  • Andante con moto
  • Scherzo. Allegro
  • Allegro

BIOGRAPHIE VON GEORGI CHERKIN (PIANO)

Georgi Cherkin wurde am 2. Juli 1977 in Sofia, Bulgarien als Sohn einer Musikerfamilie geboren.

Im Alter von sechs Jahren begann er Klavier zu spielen und ein Jahr später trat er an der Liubomir Pipkov National Musik Schule in Sofia ein, wo er bis zum Abschluss bei Antonina Boneva studierte.

1996 wurde er zunächst an der Musikakademie in Sofia aufgenommen, wo er seine Ausbildung bei Prof. Atanas Kurtev fortsetzte.

1997 wurde er an der Accademia di Santa Cecilia in Rom aufgenommen, wo er von einem der renommiertesten Musikprofessoren Italiens, Sergio Perticaroli, mit cum laude ausgebildet wurde.

Er trat mehrmals als Solist von Symphonieorchestern auf und spielte in vielen berühmten Konzertsälen, wie dem Auditorio Hall in Rom, der Musikhalle in Hamburg, dem Kongresszentrum in Okinawa, dem Seoul Arts Centre, dem Palais des Beaux Arts in Brüssel und Invalides Hall in Paris, Kaufmann Konzerthalle in New York um nur einige zu nennen. In den letzten Jahren wurde er mit zahlreichen Preisen für die Popularisierung von Kultur und Kunst in Bulgarien ausgezeichnet, unter anderem mit „Der Crystal Lure“,“Dеm goldenen Jahrhundert“, „Der Goldenen Muse“ und “ Der goldenen Feder“. Er gewann auch die folgenden internationalen Wettbewerbe – Pantcho Vladigueroff (2003), Premio Sassari (Italien) 1999 und Young Musical Talents in Sofia 1994.
Georgi Cherkins Repertoire umfasst mehr als 25 Konzerte für Klavier und Orchester, darunter alle Konzerte von Rachmaninoff und die schwierigsten der Romantik, die er als Solist der Sofioter Philharmonie , des Symphonieorchesters des bulgarischen Nationalradios aufgeführt hat. Klassisches FM Orchester, Santa Cecilia Orchester, Incheon Philharmonie Orchester, Orquestra de Câmara de Cascais und Oeiras, Nationales Rundfunkorchester Rumäniens, Bilkent Symphonie Orchester, unter der Leitung von Emil Tabakov, Georgi Dimitroff, Milen Nachev, Horia Andreescu, Francesco La Vecchia, Shungo Moriyama, Ovidiu Balan, Miguel Grassa-Mora und viele andere. Sein Konzertplan während der letzten Jahre beinhaltete eine Reihe von sehr erfolgreichen Klavierabende in Rom, Paris, Berlin, Brüssel, New York, Seoul, Warschau, Prag, Sofia, Bratislava usw.
Seit einiger Zeit komponiert und arrangiert Georgii Cherkin auch Musik für Symphonieorchester. Darunter von Beethoven „Für Elise“ und „Die Mondscheinklaviersonate“ Nr. 14, Die Jahreszeiten (Tschaikowsky) , Der Türkische Marsch aus Klaviersonate Nr. 11 (Mozart) usw. Alle diese Stücke wurden in einer Weltpremiere mit dem Classic FM Orchestra in der „Bulgaria Hall“ mit Live-TV & Radio ausgestrahlt. Herr Cherkin hat auch Musik für Filme, Drama und andere klassische Musikprojekte komponiert und arrangiert.

BIOGRAPHIE VON SASCHA GOETZEL (Dirigent )

Der in Wien geborene Sascha Goetzel erhielt bereits mit fünf Jahren Geigenunterricht bei seinem Vater und mit elf Jahren den ersten Dirigierunterricht bei Richard Österreicher. Mit 19 Jahren war er Mitglied des Orchesters der Wiener Staatsoper und erhielt durch Coaching mit großen Dirigenten wie Zubin Mehta, Mariss Jansons und Seiji Ozawa entscheidende Impulse. Ozawa wurde auch sein Lehrer und lud ihn als Fellowship Conductor zum Tanglewood Festival ein. Seine weitere Dirigentenausbildung absolvierte er bei Jorma Panula und mit 24 Jahren übernahm er die Leitung der Österreichisch-Koreanischen Philharmonie in Wien.

Goetzel ist seit 2008 künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra und formte aus diesem davor wenig bekannten Orchester innerhalb weniger Jahre ein international anerkanntes Spitzenensemble mit mehrfach prämierten CD-Einspielungen sowie Debüts bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen (2010), den BBC Proms (2014) und dem Hong Kong Festival (2017). Internationale Rezensionen belegen seine charismatische Persönlichkeit und Stilsicherheit von der Vorklassik bis zur Moderne und seine Fähigkeit, Orchester zu Höchstleistungen anzuspornen. Sascha Goetzel war resident Konduktor des Pacific Music Festivals in Japan, musikalischer Leiter des unter der Patronanz der Wiener Philharmoniker stehenden Orchesterinstituts Attergau sowie Erster Gastdirigent des Kanagawa Philharmonic Orchestra und des Orchestre Symphonique de Bretagne. Er war sechs Jahre Chefdirigent des finnischen Kuopio Symphonie Orchesters und bleibt diesem weiterhin als regelmäßiger Gast verbunden. Goetzel arbeitet nicht nur regelmäßig mit verschiedenen Jugendorchestern zusammen, sondern glaubt auch an die Bedeutung der Musikausbildung und schlägt Brücken für ein gegenseitiges multikulturelles Verständnis von Ethik, Vielfalt, Hybridität und Unterschiedlichkeit. Er unterstützt aktiv internationale Bildungsprojekte wie Musik für den Frieden (Türkei) und El Sistema Europe (International).

Sascha Goetzel ist ein erfahrener Operndirigent und leitete u. a. einen Da Ponte-Zyklus und „La Bohème“ am Tiroler Landestheater. Am Mariinski Theater leitete er „Don Giovanni“ und beim Festival Attersee Klassik „Così fan tutte“ sowie zahlreiche Opern- und Operettenvorstellungen an der Wiener Volksoper und weit darüber hinaus. An der Wiener Staatsoper leitete er u. a. „Der Nussknacker“, „Don Giovanni“, „Der Rosenkavalier“, „La Bohème“ und „Die Fledermaus“ und ist dort bis 2019 für Aufführungsserien von Mozarts „Zauberflöte“, „Hochzeit des Figaros“ und „Don Giovanni“ bis zu Johann Strauß’ „Fledermaus“ und Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ verpflichtet. Zu den bekannten Sängern, mit denen er bisher gearbeitet hat, zählen u. a. Placido Domingo, José Carreras, Anna Netrebko, Renée Fleming, Joseph Calleja, Piotr Beczała, Juan Diego Flores, Thomas Hampson, Joyce Di Donato und Michael Schade.

Seine spektakuläre Arbeit mit dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra wird in Aufnahmen des Labels Onyx dokumentiert. Mit dem Borusan Istanbul Philharmonic entstand im August 2015 für Deutsche Grammophon eine CD mit der Akkordeonistin Ksenija Sidorova und im Februar 2017 das Violinkonzert von Chatchaturian mit Nemanja Radulovic.

Zu Saisonbeginn 17/18 dirigierte er das Brandenburgische Staatsorchester in Frankfurt an der Oder, leitete eine Aufführungsserie von „Don Giovanni“ an der Wiener Staatsoper und dirigierte Konzerte mit der Slowakischen Philharmonie in Bratislava und mit der Kioi Sinfonietta in Tokyo. Im Oktober unternahm er mit seinem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra eine Tournee in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Slowenien, bei der u. a. das für Vadim Repin und Daniel Hope geschriebene Doppelkonzert von Mark-Anthony Turnage mit den beiden genannten Geigern ur- bzw. erstaufgeführt wurde. Jetzt im Dezember leitet er neben den Konzerten in Graz alle Klavierkonzerte von Prokofiev mit dem Pianisten Alexei Volodin.

Das Programm:

Klavierkonzert Nr. 1 CDur op. 15

Entstehung: zwischen 1796 und 1800

Uraufführung: 2. April 1800 im Wiener Burgtheater (möglicherweise auch schon 1798 in Prag)

Widmung an Fürstin Barbara Odescalchi

Erstdruck: T. Mollo 1801 (Wien)

Mit Zahlen ist es in der Musikgeschichte so eine Sache. Wenn wir »Nummer eins« hören, erwarten wir Frische, Aufbruch, Neues. So natürlich auch bei Beethovens erstem Klavierkonzert. Zufällig erfüllt aber genau dieses Durcheinander unsere Erwartungen. Denn das seit 200 Jahren fälschlich mit »Nummer eins« betitelte Konzert ist durchaus ein frischer Aufbruch, mit dem sich Beethoven vom Vorbild Mozart emanzipierte. (Das seltener gespielte B-Dur-Konzert wirkt verhaltener, mit weniger Mut ausgestattet.)

Wann genau Beethoven sein Opus 15 schrieb und als Pianist uraufführte, ist etwas nebulös. Klar ist aber, dass das »romantische 19. Jahrhundert« mit diesem Klavierkonzert noch nicht begann. Beethoven orientiert sich hier an der Wiener Klassik von Mozart und Haydn; das Ergebnis ist damalige Unterhaltungsmusik im besten Sinne. Und dennoch könnte man den Urheber dieses Konzerts nicht verwechseln. Der Beethoven-Klang ist bereits vorhanden. Ein Individualstil, der sich durch mitunter schroffe Gegensätze und eine stupende Genauigkeit in der rhythmischen Gestaltung auszeichnet, beginnt, sich erkennbar durchzusetzen.

Manche Verzierungen und rasanten Läufe prägen die Partitur – die sich außerdem erstmals bei Beethoven durch eine üppige Orchesterbesetzung samt Klarinetten, Trompeten und Pauke auszeichnet.

Der erste Satz, ein Allegro con brio, beginnt mit einer Orchestereinleitung, die an einen Marsch erinnert. Das erste Thema, das darin vorkommt, ist eher rhythmisch denn melodisch geformt und setzt sich gleich von der Tradition ab – Mozart etwa hätte ein solches leicht stampfendes Gebilde eher nicht an den Anfang gestellt. Auch das zweite Thema stellt uns das Orchester vor, noch bevor das Klavier überhaupt einen ersten Ton gespielt hat. Dieser zweite Gedanke ist deutlich gesanglicher und wandert von Dur nach Moll. Die Arbeit an den beiden Themen übernimmt anschließend vor allem das Klavier, und natürlich darf in diesem ersten Satz auch eine ausgeprägte Solokadenz nicht fehlen. Hier können sich die Solisten mit ihrem Können zeigen – was Beethoven, so ist zu vermuten, in der Uraufführung auch tat. (Übrigens schrieb er selbst einige Jahre später gleich mehrere Alternativen für die Kadenz.)

Dass dieses Konzert an Beliebtheit über die Jahre kaum eingebüßt hat, ist nicht zuletzt dem Largo an zweiter Stelle zu verdanken. In diesem langsamen Satz zeigt sich bereits der getragen-stimmungsvolle Beethoven späterer Jahre. Der lyrische Charakter in As-Dur macht klanglichen Eindruck. Und originell ist, dass am Satzbeginn noch Motive aus dem vorigen Allegro con brio zu hören sind – eine solche innere Beziehung von Satz zu Satz ist im 18. Jahrhundert ungewöhnlich und setzt sich erst mit Beet- hoven und den nachfolgenden Symphonikern mehr und mehr durch.

Abschließend erleben wir ein vergleichsweise kurzes Rondo, dessen Hauptthema das Klavier vorstellt und vom Orchester wiederholt wird. In diesem Allegro scherzando blitzt der Humor eines Haydn auf; vor allem aber ist auffällig, dass sich Beethoven der Volksmusik annähert: heiter, tanzend und melodisch eingängig ist der Charakter dieses dritten Satzes. Und auch das Klavier stimmt in den an Legato-Sechszehnteln und Stakkato-Achteln reichen Trubel ein. Ein überraschender Eindruck ergibt sich, wenn der Satz im piano zu enden scheint – und dann doch noch ein paar kräftige Forte-Akkorde folgen.

Sinfonie Nr. 5 c– Moll, Opus 67

Entstehung:1803/04-08

Beethovens Fünfte Symphonie, dem Kleinen Opus 67, ist seinen beiden Gönnern, Fürst Franz von Lobkowitz und Graf Razumovski, gewidmet. Eines der beliebtesten und an den häufigsten vorgetragenen Werken der klassischen Musik, es ist ein wahres Meisterwerk, das mit dem Lakonismus seiner Ausstellung und dem Schwung seiner Entwicklung trifft.

Ludwig van Beethoven schuf mit den drei aufeinanderfolgenden Achtelnoten und der anschließenden halben Note um eine große Terz tiefer das wohl markanteste Motiv der klassischen Musik. «So pocht das Schicksal an die Pforte.» Diese Worte zum Motiv wurden Beethoven von seinem Vertrauten Anton Schindler in den Mund gelegt. Deshalb bekam die Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67 den hochtrabenden Beinamen «Schicksalssymphonie». Bohrend, hartnäckig, unerbittlich zieht sich dieses «Klopf-Motiv» in verschiedenen Ausprägungen durch die Symphonie. Deutlich ist jedem Takt des Werkes das Ringen, um die Exis­tenz anzuhören, das Ankämpfen gegen Leid, Schmerz, Schrecken und Unterdrückung. Geradlinig, unverhüllt, ja geradezu plakativ wie sonst nie formulierte hier Beethoven musikalisch seine Botschaft.

Die Symphonie c-Moll, deren erste Skizzen bis ins Jahr 1803, als Beethoven noch an der «Eroica» arbeitete, zurückreichen und die in den Jahren 1806 bis 1808 teilweise parallel zur «Pastorale» ausgearbeitet wurde, bildet das Zentrum in einer Schaffensperiode Beethovens, in der er mit den Ideen der französischen Revolution beschäftigt war und den gewachsenen Befreiungskampf des Bürgertums gegen ständestaatliche Ungleichgewichte künstlerisch mitfocht. (Dabei geriet bekanntlich der ursprünglich bewunderte Feldherr Napoleon, nachdem er sich zum Kaiser ausgerufen hatte, in die Zornesmühle des Komponisten, der die Widmung der «Eroica» an den Franzosen widerrief.) Beethoven begeisterte sich über die Wirren der Kriege und Wechselhaftigkeit der täglichen Politik hinaus für ein humanistisches Weltbild und für die Verwirklichung brüderlicher Ideale.

Es ist also eine musikalisch-ideologische Absicht Beethovens gewesen, dass er in die 5. Symphonie – wie in andere Werke auch – offizielle Musikstücke der Französischen Revolution als Zitate aufnahm: Der Siegeshymne von Lacombe entspricht das Hauptthema im Finale der Symphonie, seine Fortführung ähnelt der so genannten «Hymne dithyrambique» von Rouget de l’Isle, in der die «Liberté» besungen wird. Melodisch sind des Weiteren Vorbilder bei dem in Paris wirkenden Italiener Luigi Cherubini und bei dem mit Revolutionsmusiken befassten Franzosen François Gossec auszumachen.

Mit einer Fermate (einem musikalischen Haltezeichen) ist der vierte Ton des «Klopf-Motivs» im ersten Satz (Allegro con brio) versehen. Damit bekommt das Motiv seine eigene Ordnung, wird über den gewohnten Lauf der Dinge hinausgehoben. Um die außerordentliche Bedeutung dieses Vorgangs zu unterstreichen, hat Beethoven den langanhaltenden Ton beim zweiten Einsatz des Eröffnungsmotivs noch um eine halbe Note verlängert. Normale Zeitabläufe werden dadurch außer Kraft gesetzt. Wenn das Schicksal anklopft, ist «die Zeit gekommen» und dadurch verändern sich die Dinge einschneidend.In einer anderen Passage des ersten Satzes scheint Beethoven die Zeit anzuhalten und eine Melodie überhaupt aus dem existentiellen Ringen heraustreten lassen zu wollen: Das Oboen-Rezitativ am Beginn der Reprise im Adagio-Tempo wird von zwei Fermaten eingerahmt. Beethoven blendet dieses Oboensolo aus dem Geschehen aus. Hier erhebt über die Allgemeinheit hinweg ein einzelnes Individuum, als direkt Betroffener, von Leiden erfüllt seine Stimme. Als Hörer wird man zum Mitbetroffenen.

Dem unerbittlichen c-moll-Kopfsatz folgt ein nach C-Dur aufgehelltes Andante con moto, in dem sich ein zuversichtlich einherschreitendes Thema zwischendurch einem Triumphzug anschließt, sich dann aber wieder der Beschäftigung mit inneren Werten zuwendet. Die Apotheose des Finales klingt in den Forte-Passagen des Orchesters bereits prophetisch an.

Bevor aber der Schlussjubel ungehemmt ausbrechen kann, führt die Musik im Scherzo (Allegro) noch einmal in bedrohliche, düstere, unheimliche Sphären, in denen auch das «Klopf-Motiv» widerhallt. Im Trioteil ergreifen die Bässe und Violoncelli mit einem energischen Thema die Initiative, aber der Durchbruch zum Licht gelingt erst nach einer totalen Zurücknahme der Dynamik, aus der sich eine grandiose Steigerung entwickelt. Ein letztes Mal mahnt sogar in diesem jubelnden Finale (Presto) das «Klopf-Motiv», doch schließlich reiht sich auch das Schicksal in den nicht enden wollenden Triumphzug ein.