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Dienstag, den 15. Juni | 19 Uhr – Konzert der Sofioter Philharmonie

Erwarten Sie am Dienstag, den 15. Juni 2021 die nächste Ausgabe von der Reihe

/Online Klassische Konzerte/
– ein gemeinsames Projekt der Sofioter Philharmonie und des BKI in Berlin.

 

Sascha Goetzel (Dirigent)

Solist

Sergei Redkin (Klavier)

 

Im Programm:

WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756 – 1791)

Mozart – Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur, KV 453

Allegro

Andante in C-Dur

Allegretto – Presto

 

Alexander von Zemlinsky (1871 – 1942)

Sinfonietta op.23

Sehr lebhaft

Ballade. Sehr gemessen, doch nicht schleppend

Rondo. Sehr lebhaft

 

BIOGRAPHIE VON SASCHA GOETZEL (Dirigent )

Der in Wien geborene Sascha Goetzel erhielt bereits mit fünf Jahren Geigenunterricht bei seinem Vater und mit elf Jahren den ersten Dirigierunterricht bei Richard Österreicher. Mit 19 Jahren war er Mitglied des Orchesters der Wiener Staatsoper und erhielt durch Coaching mit großen Dirigenten wie Zubin Mehta, Mariss Jansons und Seiji Ozawa entscheidende Impulse. Ozawa wurde auch sein Lehrer und lud ihn als Fellowship Conductor zum Tanglewood Festival ein. Seine weitere Dirigentenausbildung absolvierte er bei Jorma Panula und mit 24 Jahren übernahm er die Leitung der Österreichisch-Koreanischen Philharmonie in Wien.

Goetzel ist seit 2008 künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra und formte aus diesem davor wenig bekannten Orchester innerhalb weniger Jahre ein international anerkanntes Spitzenensemble mit mehrfach prämierten CD-Einspielungen sowie Debüts bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen (2010), den BBC Proms (2014) und dem Hong Kong Festival (2017). Internationale Rezensionen belegen seine charismatische Persönlichkeit und Stilsicherheit von der Vorklassik bis zur Moderne und seine Fähigkeit, Orchester zu Höchstleistungen anzuspornen. Sascha Goetzel war resident Konduktor des Pacific Music Festivals in Japan, musikalischer Leiter des unter der Patronanz der Wiener Philharmoniker stehenden Orchesterinstituts Attergau sowie Erster Gastdirigent des Kanagawa Philharmonic Orchestra und des Orchestre Symphonique de Bretagne. Er war sechs Jahre Chefdirigent des finnischen Kuopio Symphonie Orchesters und bleibt diesem weiterhin als regelmäßiger Gast verbunden. Goetzel arbeitet nicht nur regelmäßig mit verschiedenen Jugendorchestern zusammen, sondern glaubt auch an die Bedeutung der Musikausbildung und schlägt Brücken für ein gegenseitiges multikulturelles Verständnis von Ethik, Vielfalt, Hybridität und Unterschiedlichkeit. Er unterstützt aktiv internationale Bildungsprojekte wie Musik für den Frieden (Türkei) und El Sistema Europe (International).

Sascha Goetzel ist ein erfahrener Operndirigent und leitete u. a. einen Da Ponte-Zyklus und „La Bohème“ am Tiroler Landestheater. Am Mariinski Theater leitete er „Don Giovanni“ und beim Festival Attersee Klassik „Così fan tutte“ sowie zahlreiche Opern- und Operettenvorstellungen an der Wiener Volksoper und weit darüber hinaus. An der Wiener Staatsoper leitete er u. a. „Der Nussknacker“, „Don Giovanni“, „Der Rosenkavalier“, „La Bohème“ und „Die Fledermaus“ und ist dort bis 2019 für Aufführungsserien von Mozarts „Zauberflöte“, „Hochzeit des Figaros“ und „Don Giovanni“ bis zu Johann Strauß’ „Fledermaus“ und Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ verpflichtet. Zu den bekannten Sängern, mit denen er bisher gearbeitet hat, zählen u. a. Placido Domingo, José Carreras, Anna Netrebko, Renée Fleming, Joseph Calleja, Piotr Beczała, Juan Diego Flores, Thomas Hampson, Joyce Di Donato und Michael Schade.

Seine spektakuläre Arbeit mit dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra wird in Aufnahmen des Labels Onyx dokumentiert. Mit dem Borusan Istanbul Philharmonic entstand im August 2015 für Deutsche Grammophon eine CD mit der Akkordeonistin Ksenija Sidorova und im Februar 2017 das Violinkonzert von Chatchaturian mit Nemanja Radulovic.

Zu Saisonbeginn 17/18 dirigierte er das Brandenburgische Staatsorchester in Frankfurt an der Oder, leitete eine Aufführungsserie von „Don Giovanni“ an der Wiener Staatsoper und dirigierte Konzerte mit der Slowakischen Philharmonie in Bratislava und mit der Kioi Sinfonietta in Tokyo. Im Oktober unternahm er mit seinem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra eine Tournee in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Slowenien, bei der u. a. das für Vadim Repin und Daniel Hope geschriebene Doppelkonzert von Mark-Anthony Turnage mit den beiden genannten Geigern ur- bzw. erstaufgeführt wurde. Jetzt im Dezember leitet er neben den Konzerten in Graz alle Klavierkonzerte von Prokofiev mit dem Pianisten Alexei Volodin.

Sergei Redkin, Klavier

Sergei Redkin, geboren 1991, stammt aus Krasnojarsk in Sibirien. Mit sechs Jahren begann er an der Staatlichen Musikakademie Klavier zu lernen und nahm auch schon früh Unterricht in Improvisation und Komposition. 2004 zog er nach St. Petersburg, wo er sein Studium am „Rimsky Korsakov“ Konservatorium begann, zunächst in dessen Sonderschule für Hochbegabte; ab 2009 wurde er ordentlicher Schüler in der Klasse von Alexander Sandler. Bei Alexander Mnatsakanyan, einem der letzten Schüler Schostakowitschs, setzte er sein Kompositionsstudium fort. Mit einem Stipendium des „House of Music“ in St. Petersburg nahm Redkin ab 2011 mehrmals an der International Piano Academy (Lake Como) teil, wo er mit Musikern wie Dmitri Bashkirov, Peter Frankl und Fou Ts’ong zusammenarbeitete. 2012 gewann er den Internationalen Maj Lind Klavierwettbewerb in Helsinki, 2013 den Internationalen Prokofjev-Wettbewerb in St. Petersburg und 2015 die Bronzemedaille beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Valery Gergiev engagierte ihn anschließend für Auftritte mit dem Mariinsky-Orchester in Paris, New York und Mexiko und lud ihn zur Teilnahme ein einen Prokofjev-Marathon im Rahmen seines MPHIL 360° Festivals in München, wo Redkin im November 2016 die letzten beiden Klaviersonaten des Komponisten spielte. Er trat in Recitals und als Kammermusiker nicht nur in Moskau, St. Petersburg und verschiedenen anderen russischen Städten auf, sondern auch in Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen, Finnland, Schweden und der Schweiz. Zu seinen Krediten in der Saison 2016/17 zählen Auftritte in der Wiener Hofburg, im National Auditorium in Madrid, im Théâtre des Variétés in Monaco und beim renommierten Lucerne Festival in der Schweiz.

Seit 2017 ist er Artist in Residence an der Music Chapel unter der Leitung von Louis Lortie.

2021 gewann Sergei Redkin den zweiten Preis beim Königin-Elisabeth-Klavierwettbewerb.

Mozart – Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur, KV 453

Das Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur, KV. 453, von Wolfgang Amadeus Mozart, wurde 1784 geschrieben. Das Werk ist für Klavier solo, Flöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner und Streicher orchestriert. Wie es für Konzerte typisch ist, ist es dreisätzig: 1. Allegro 2. Andante in C-Dur 3. Allegretto – Presto. Laut dem Datum, das der Komponist selbst in der Partitur vermerkte, wurde das Konzert am 12. April 1784 vollendet. Das Datum der Uraufführung ist ungewiss. Einerseits soll das Werk von Mozarts begabte Schülerin Barbara von Ployer am 13. Juni 1784 bei einem Konzert uraufgeführt worden sein. Barbaras Vater Gottfried Ignaz von Ployer, ein Wiener Agent des Salzburger Hofes, engagierte ein Orchester für die Uraufführung, die am 13. Juni in seiner Sommerresidenz im Wiener Vorort Döbling stattfand.

Im Publikum saß der italienische Opernkomponist Giovanni Paisiello, dem Mozart seine Schülerin vorführen wollte, sowie auch seine neuesten Kompositionen, darunter das Quintett Es-Dur für Klavier und Blasinstrumente. Anschließend wurde Ployer von Mozart in einer Aufführung der anspruchsvollen Sonate für zwei Klaviere KV 448 begleitet. Eine andere von Lorenz (2006, 314) angeführte Möglichkeit besteht darin, dass Mozart mit der Uraufführung des Werkes nicht über zwei Monate gewartet hat, sondern es in seinem Konzert mit Regina Strinasacchi am 29. April 1784 im Kärntnertortheater aufgeführt hat. Als allgemeiner Konsens für die Forscher kann mit relativer Sicherheit gesagt werden, dass das Werk nach seiner Fertigstellung Mitte bis Ende des Frühjahrs 1784 uraufgeführt wurde.

Die Wiener Klavierkonzerte aus der Zeit 1782-86 gelten in Fachkreisen als die bedeutendsten Instrumentalwerke des kompositorischen Schaffens von Wolfgang Amadeus Mozart. Reich an thematischem Einfallsreichtum, Originalität und gleichberechtigter Interaktion zwischen Solisten und Orchester schuf Mozart eine neue musikalische Form. Eine außerordentliche Leistung, zumal Mozart in diesem Lebensabschnitt – vielleicht als Antwort auf seine zuvor fehlgeschlagenen Opernpläne – als einer der gefragtesten Pianisten Wiens ausgiebig konzertierte und unterrichtete. Im Entstehungsjahr des G-Dur-Konzerts 1784 z.B. sind neben stattlichen Schülerlisten mindestens 23 Konzerte in einem Zeitraum von 46 Tagen sowie 6 Klavierkonzert-Kompositionen dokumentiert. So sind die vorliegenden Werke denn auch getragen von Lebensfreude ob dieses äußeren Erfolges – tiefgründig und doch lebensbejahend, manchmal melancholisch, ja sogar tragisch, jedoch keineswegs resignant. Es sind eben genau jene Auseinandersetzungen mit der geistigen Dichte und seelischen Dimension des Mozart´schen Werkes, die Sergei Redkins Interpretationen einzigartig machen…

Alexander Zemlinsky (1871-1942)

Alexander Zemlinsky gehört zu den Komponisten, die keinen „großen“ Namen haben, aber trotzdem zu den Großen ihrer Zeit gehören. Seine Werke haben die Geschichte der Musik nicht verändert, sind aber authentisches Zeugnis ihrer stürmischen Entwicklungen zwischen 1890 und 1940. Zemlinsky wurde 1871 in Wien geboren und wuchs dort in der vom jüdischen Leben geprägten Leopoldstadt auf. Früh zeigte sich seine musikalische Begabung, sodass seine Eltern den knapp 13-Jährigen beim Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde anmeldeten. Hier studierte Zemlinsky bis 1892 und schrieb seine ersten, noch dem Vorbild und Förderer Johannes Brahms verpflichteten eigenen Werke. Nach dem Studium gelang es Zemlinsky bald, sich durch persönliche Kontakte und das Engagement in zahlreichen Institutionen und Vereinen eine gewisse Stellung im pulsierenden Wiener Musikleben zu verschaffen. Menschlich und künstlerisch besonders bedeutsam waren in diesen Jahren die Begegnungen mit Arnold Schönberg und Alma Schindler, der späteren Frau Gustav Mahlers. Nach 1900 festigte Zemlinsky seine Position als musikalische Leitfigur in Wien, und zwar als Komponist und als Dirigent. 1900–1904 war Zemlinsky Kapellmeister am Carl-Theater und am Theater an der Wien, wo er ausschließlich Operetten aufzuführen hatte. Das große Repertoire konnte er erst ab 1904 als Kapellmeister an der Volksoper und für eine Saison auch an der Hofoper dirigieren. Das Musiktheater stand nun auch im Zentrum seiner kompositorischen Arbeit: Bis 1910 schrieb Zemlinsky vier Opern, die auf sehr verschiedene Weise sein untrügliches Gespür für die Gattung unter Beweis stellen.

1911 ging Zemlinsky nach Prag und wirkte dort bis 1927 als musikalischer Direktor des Deutschen Landestheaters. Hier konnte er die größten Erfolge als Dirigent feiern. Vor allem durch seine Mozart- und Wagner-Dirigate, aber auch durch Aufführungen der Werke Mahlers und Schönbergs wurde sein Name zum Synonym eines natürlichen, geistvollen und der Musik dienenden Musizierens. Sein Posten ließ Zemlinsky nur wenig Zeit zum Komponieren. Doch Werke wie das 2. Streichquartett, die „Lyrische Sinfonie“ und die beiden Opern-Einakter nach Oscar Wilde zählen zu den Höhepunkten seines Schaffens.

1927 wechselte Zemlinsky als Kapellmeister an die Berliner Kroll-Oper. 1931 nahm er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule an, doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem 1933 erlassenen Beschäftigungsverbot für Juden im Staatsdienst musste er seine Stellung kündigen. Mit seiner zweiten Frau Louise kehrte er in seine Heimatstadt zurück, die ihm nun zum Exil wurde.

Im zunehmend unter politischen Einfluss gelangenden Wiener Kulturleben konnte Zemlinsky nicht mehr Fuß fassen. Doch hatte er nun mehr Zeit zum Komponieren. Es entstand ein vielgestaltiges Spätwerk, in dessen Zentrum die Oper „Der König Kandaules“ stand. Ab 1938 ließen die Zustände in Wien eine kontinuierliche Arbeit nicht mehr zu, und nach dem Einmarsch Hitlers plante die Familie die Flucht. Im Herbst 1938 verließ sie Wien und floh nach New York.

Die neue Welt erreichte Zemlinsky als gebrochener Mann. Nach mehreren Schlaganfällen starb Zemlinsky am 15. 3. 1942 in seinem Haus in Larchmont bei New York.

Nach seinem Tod wurde es für mehrere Jahrzehnte still um Zemlinskys Musik. Erst in den 70er Jahren kam es durch die Aufführung und Einspielung seiner zentralen Werke sowie die Aufarbeitung seiner Biografie zur Renaissance eines Komponisten, dessen Musik auf unvergleichliche Weise die Tendenzen eines halben Jahrhunderts

in sich vereint. Die Phase der Wiederentdeckung kann mit der Hamburger Uraufführung von „Der König Kandaules“ 1996 als abgeschlossen gelten. Die Öffentlichkeit hat die Musik eines Komponisten wieder, von dem Schönberg 1949 sagte: ”Ich habe immer fest daran geglaubt, dass er ein großer Komponist war, und ich glaube noch immer daran. Möglicherweise wird seine Zeit früher kommen, als man denkt.“

Heute gilt Zemlinsky als einer der wichtigsten österreichischen Komponisten.